Landschaftserhaltungsverband Schwarzwald-Baar-Kreis e.V.

LEV e.V.

Vortrag von Dr. Anita Idel: „Weidetierhaltung – Klimaschützer auf der Weide?“

Am Mittwoch, den 23. September um 19.30 Uhr laden der Bund für Umwelt und Naturschutz und der Landschaftserhaltungsverband Schwarzwald-Baar-Kreis in Kooperation mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, dem Forum Pro Schwarzwaldbauern und dem Umweltzentrum Schwenningen zu einem Vortrag zum Thema „Weidetierhaltung – Klimaschützer auf der Weide?“ ins Umweltzentrum Schwenningen (Neckarstraße 120, 78056 VS-Schwenningen) ein. Am 24. September um 09.30 Uhr werden die Vortragsthemen bei einer Weidebegehung mit der Referentin praxisnah vertieft. Der Treffpunkt hierfür ist am Haus Ruf – Paradies 1 – 78136 Schonach (für eine Anfahrtskarte hier klicken, Quelle: Google). Die Teilnahme an Vortrag und Weidebegehung ist kostenfrei.

Anita Idel

Anita Idel, Tierärztin und Weideexpertin/ Foto: Andreas Schoelzel

Die Tierärztin, Weideexpertin und führende Autorin des Weltagrarberichts Dr. Anita Idel geht in ihrem Vortrag der Frage nach, welche Bedeutung Kühe für Klima, Bodenfruchtbarkeit und Welternährung haben. Ja, Kühe rülpsen Methan, das 25 Mal klimaschädlicher ist als CO2. Doch die Referentin belegt, dass sie dennoch unverzichtbar für die Welternährung sind – damals wie heute. Denn sie leisten einen großen Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Begrenzung des Klimawandels – vorausgesetzt, sie werden artgerecht gehalten. In nachhaltiger Weidehaltung haben Wiederkäuer das Potenzial, die Entstehung von kohlenstoffhaltigem Humus im Boden zu fördern. Kühe, Schafe und Büffel können in Symbiose mit ihren Pansenmikroorganismen Weidefutter zu Milch und Fleisch umwandeln. Deshalb sind sie prädestiniert zur Nutzung derjenigen Böden, die nicht beackert aber durch Beweidung vor Erosion geschützt werden können. Problematisch ist das Ausmaß, in dem sie durch Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide zu Nahrungskonkurrenten der Menschen gemacht werden. Milch und Fleisch aus Intensivproduktion sind nur scheinbar billig. Die Rechnung kommt später. Denn Monokulturen verdrängen die biologische Vielfalt und das Wald- und Grasland als wichtige CO2-Speicher. Die höchsten landwirtschaftlichen Emissionen entstehen durch synthetischen Stickstoffdünger, da bei der Düngung der großen Monokulturen Mais und Getreide Lachgas entsteht – mehr als 300 Mal klimaschädlicher als CO2. Weniger bekannt ist, dass Rinder und Büffel seit der Eiszeit über Jahrtausende zur Entstehung der fruchtbarsten Böden der Welt beigetragen haben. Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto wichtiger wird die Bodenfruchtbarkeit zur Sicherung der Ernten bei gleichzeitiger Begrenzung klimawirksamer Emissionen. Aber das energieaufwändige agroindustrielle System heizt den Klimawandel an und erhöht dadurch die Risiken für die Welternährung dramatisch. So haben die Böden Nordamerikas in den vergangenen 100 Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fruchtbarkeit verloren. In ihrem Vortrag rehabilitiert Frau Dr. Idel die Kuh, diskutiert Futtermittelimporte, Massentierhaltung und die Art des Fleischkonsums und erläutert die zukunftsträchtigen Potenziale weltweiter nachhaltiger Weidewirtschaft.

Siehe auch den Artikel “Die Quadratur des Kreises” in der BBZ Nr. 41 vom 10.10.2015.